We Are Social’s Tuesday Tune-Up #24

von Anna Kranz in mashup

Lokal ist besser als Global
Eine Studie der Socialbakers zeigt auf, dass lokale Facebook Fanpages deutlich effektiver wirken als globale. Konkret: Die Engagement Rate (die Interaktion der Fans mit der Page) bei einer lokal fokussierten Seite ist in der Regel deutlich höher als auf global orientierten Pages. Noch konkreter: Bei den lokalen X-Box Fanpages ist die Engagement Rate durchschnittlich 10 x höher als bei der globalen Fanpage. Der Vorteil von lokalen Pages liegt unter Anderem darin, dass Inhalte  deutlich stärker auf die Interessen der lokalen Fans zugeschnitten werden können und daher deutlich mehr Relevanz haben. Die anzunehmenden kulturellen Gemeinsamkeiten der Fans einer lokal orientierten Page erhöhen außerdem die Engagement Rate.

Wichtig ist dies vor allem aus folgendem Grunde: Je höher die Engagement Rate einer Facebook Page, um so höher ist deren Sichtbarkeit – und damit die Chance auf Wirkung im Sinne der zu erreichenden Ziele.

Facebook Chronik bald verbindlich für alle (und unverbindlich für Firmen)
Unerwartet kommt es nicht, dass die Chronik bald für alle Facebook Nutzer verbindlich eingeführt wird. Laut Facebook kommt die Umstellung “in den nächsten Wochen“ – ein genaues Datum steht weiterhin nicht fest. Facebook kündigt ebenfalls die Chronik-Einführung für Fanpages an, eine doch mehr oder weniger zügige Entwicklung, da bisher angenommen wurde, dass die Chronik für Unternehmen noch auf sich warten lassen würde. Die Chronik für Fanpages wird neue Möglichkeiten der Produktvermarktung und des Fan Engagements liefern – von uns bereits ungeduldig erwartet. Wie ein Chronik-Profil einer Fanpage aussehen könnte, hat die israelische Antidrogenbehörde eindrucksvoll inszeniert, wurde jedoch von Facebook wieder deaktiviert.

Die verbindliche Einführung der Timeline für Privatprofile stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung:  Sie wird in den Medien heftig diskutiert und hinterfragt. Eine nicht repräsentative Umfrage unter 4000 Facebook Nutzern ergab, dass gerade einmal 8% die Umstellung zur Chronik befürworten. 51% sorgten sich wegen der Änderung, während 32% in Frage stellten, warum sie Facebook überhaupt noch nutzen. Gerade mal 7% finden sich einfach mit der Umstellung ab.

Das war zu erwarten: Nutzer tendieren generell dazu, Änderungen auf sozialen Netzwerken skeptisch gegenüberzustehen. Auch die Einführung des Newstickers im letzten Jahr führte zu einer Protestwelle unter Nutzern und deren Androhung ihre Facebook-Profile zu deaktivieren: Jetzt wird erneut von Nutzern angekündigt, Facebook in Zukunft zu meiden. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass (vermutlich auch) der Mangel an alternativen Netzwerken dazu führt, dass diese Drohung selten umgesetzt wurde.

Auch Google+ wird dies nicht ändern: Das fehlende Netz von Freunden in Googles Social Network sowie die auch im Zusammenhang mit Google+ geäußerten Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Schutz der Privatsphäre lassen den potenziellen Konkurrenten gegenüber Facebook weiterhin blass aussehen.

Twitter und die Zensur
Twitter macht sich unbeliebt: Das Unternehmen  hat sich durch seine Zensurvorschläge für einzelne Länder in ein zunehmend schlechtes Licht gerückt.

Betrachtet man die Situation genauer, ergibt sich folgendes Bild: Twitter verfolgt eine relativ transparente Zensur-Policy und  veröffentlicht auf Chilling Effects welche Tweets in welchen Ländern nicht angezeigt werden.

Nutzern wird angezeigt, wenn ein Twitter Nutzer oder Tweet zensiert wurde:

Aus der Perspektive des Unternehmens Twitter ist es ökonomisch nicht sinnvoll sich Zensurwünschen einzelner Länder und Organisationen zu widersetzen, da dies bis zur totalen Sperrung des Dienstes inkl. juristischer Konsequenzen führen könnte. Da die Zensur eben nicht global, sondern nur auf Länderebene stattfindet, was man unter Umständen als Kompromiss werten kann. Oder einfach als verdammte Pflicht (wenn es schon sein muss, dann bitte lokal).

Als Resultat der angekündigten Zensur kündigten viele prominente Twitternutzer jedoch an, ihre Accounts zu schließen. In Deutschland sind nach Informationen der FT allerdings noch keine Zensurvorschläge eingegangen. Man könne sich aber vorstellen, dass beispielsweise verfassungsfeindliche oder rechtsradikale Inhalte gesperrt werden könnten.

Googeln ohne personalisierte Suchergebnisse
Das Google Suchergebnisse auf den Nutzer zuschneidet  und durch Google+ damit leichtes Spiel hat, ist keine Neuigkeit. Das diese personalisierte Suche umgangen werden kann allerdings schon. Facebook, Twitter und Myspace Programmierer haben sich zusammengeschlossen und ein Add-On entwickelt, welches eine neutrale Google-Suche ermöglicht. Natürlich ist das ganze auch im Sinne ihrer Arbeitgeber. Wie abweichend sich eine Suche mit dem Add-on im Vergleich zu einer herkömmlichen Google-Suche gestaltet, zeigt das folgende Video.

Pinterest pusht Handel
Pinterest ist eine Art virtuelle Pinnwand, die es Nutzern erlaubt Bilder und/oder Links zu teilen, die sie inspirieren oder interessant finden. Dieser geteilte Inhalt wird als ’Pin’ bezeichnet, welche der Nutzer thematisch auf seinen verschiedenen ’Boards’ (Pinnwänden) auflistet. Andere Pinterest Nutzer haben Zugang zu diesen Boards und können sie und die Pins nach ihren Interessen durchforsten und ’repinnen’, also in ihren Netzwerken / Ihrem Social Graph teilen. Pinterest nutzt seit kurzem auch die Möglichkeiten des Open Graph von Facebook , was ein reibungsloses Teilen der Pins erlaubt.

Für den Handel ist Pinterest interessant: Ein Pin kann beispielsweise zu einem Onlineshop führen: Auch Geschäfte unterhalten mittlerweile Pinterest Accounts um ihre Produkte in Boards zu vermarkten. Anhand von fünf Pinterest-nutzenden Fachhändlern kann man schlussfolgern, dass ihre Onlineshops innerhalb eines halben Jahres kontinuierlich mehr Traffic über Pinterest-Pins verzeichnen konnten, wie die untere Graphik aufzeigt.

Pinterest ist jetzt schon eines der schnellst wachsenden sozialen Netzwerke und konnte im Dezember 2011 einen Zuwachs von 429% an Zugriffen seit September 2011 vorweisen. Wie die Graphik von Monetate aufzeigt, wächst Pinterest kontinuierlich und konnte im Dezember mit 7.21 Millionen Nutzern aufwarten.

 

Ansgar Heveling und die Wut der „Netzgemeinde“
In einem Gastbeitrag im “Handelsblatt“ verdammte der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling das Web 2.0 und prophezeite einen baldigen Niedergang des Social Web. Der Artikel ist auf seltsame Weise lesenswert und amüsierte die „Netzgemeinde“ nicht nur, sondern provozierte auch in einem solchen Maße, dass Hevelings Homepage gehackt wurde. Anhören kann man sich seinen Artikel übrigens auch hier.

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